Theorie der Varroabehandlung

Im Kurs lernten wir alles über die verschiedenen Möglichkeiten der Varroabehandlung, mit Ameisensäure, mit Oxalsäure, mit MOT oder mit Liebig-Dispenser oder mit Schwammtuch, Hauptsache man macht was gegen die Milben. In der Theorie klang alles ganz logisch.

Wir besorgten uns Liebig-Dispenser, Ameisensäure zur Verdunstung, säurefeste Handschuhe, Küchenrolle und eine Flasche billigstes Salatöl. Die Ameisensäure wird in die Verdunstungsflaschen umgefüllt und diese kopfüber auf den Docht des Dispensers gesteckt. Die Küchenrolle wird zum Schutz gegen milbenfressende Ameisen mit Öl getränkt, das mögen die kleinen Krabbler offensichtlich nicht besonders.

Im Schleudergang

Da aktuell das Frühjahr für die meisten Imker der Gegend nicht wirklich ertragreich war und die Honigräume des Imkermeisters weitestgehend leer sind, gab es bisher keine Gelegenheit, Honig zu schleudern. Nur von den Wanderbienen, die auf der Alb im Raps standen, gab es Ertrag. Diesen hatte der Kursleiter in den verdeckelten Waben, also im Rähmchen direkt aus der Beute, in seine Honigstube verfrachtet, wo wir fleissig üben durften, wie man Honig macht.

  

Um den Honig aus den Rähmchen zu bekommen, müssen die (weißen) Wachsdeckel von den Waben entfernt werden. Das Rähmchen wird auf eine spezielle Wanne gestellt und die Kunst besteht darin, möglichst viel Wachs und wenig Honig mit der Spezialgabel wegzuschaben, also nix für Grobmotoriker.

  

Anschließend ist Karussel fahren angesagt. Die entdeckelten Rähmchen kommen in die Schleuder, werden vorsichtig angeschleudert, damit das Wachs nicht vor Schreck an der Edelstahlwand kleben bleibt und die Waben zerstört werden. Wenn das Wabenwachs langsam auf Touren gekommen ist, fließt auch der Honig in Richtung der Zentrifugalkraft an die Innenwand der Schleuder, sammelt sich unten und wird über einen Hahn durch zwei Siebe in einen Eimer geleitet. Pro Wabe können da schon 2 kg Honig im Eimer landen.

Es bient

Trotz Regenwetter ging es heute wieder zum Imkerkurs. Die Bienen hatten nicht wirklich Lust zum Fliegen, es war einfach zu nass. Und weil es in den letzten Tagen auch schlechtes Wetter gab, konnten wir keine gefüllten Honigwaben beschauen, sondern mussten zugucken, wie sich die Bienen zusammenkuschelten und gegenseitig beheizten. Dafür qualmte der Smoker heute umso gewaltiger, die Holzspäne waren wohl auch nass...

Die neue Erkenntnis: Drohnen summen anders als Arbeiterinnen und weisellose, also entköniginte Völker, oder genauer gesagt, die Masse aus Arbeiterinnen und Drohnen mit ohne Königin, die "brausen". Den Unterschied kann man wirklich hören, auch ohne den Bienenstock zu öffnen, absolut faszinierend.

Und es gab Drohnenbrut (Bilder oben und ganz oben), eklige Konsistenz. Mit der ein oder anderen Milbe. Die Varroa ist nur bei genauem Hinsehen auf der Brut zu erkennen. Die Drohnenbrut wurde entfernt und wir haben erfahren, dass es angeblich Gourmetköche geben soll, die dafür viel Geld bezahlen und anschließend die Larven anbrutzeln und für noch viel mehr Geld an Feinschmecker verfüttern.

Das Highlight: Königinnenzellen in verschiedenen Stadien, mit und ohne Käfig. Die so entstehenden Königinnen werden in ein paar Tagen schlüpfen und kommen jeweils einzeln in ein Ableger-Volk. Dann dauert es wieder ein paar Tage, bis die Liebeslust sie packt, der Hochzeitsflug stattfindet und die Königin anschließend frisch begattet ihr Arbeitsleben beginnt. Das ist dann nach so viel Abenteuer eher eintönig. Immer nur den Hintern in eine Wabe nach der anderen zu stecken, um diese zu bestiften, naja, klingt nicht unbedingt nach Sex & Drugs & Rockn' Roll.

Völkerkunde

Bei unserem heutigen völkerkundlichen Ausflug in die Welt der Honigbienen waren wir wieder mittendrin im Getümmel. Es begann ganz klassisch mit dem rituellen Entzünden der Rauchmaschine und dem (freiwilligen) Überstreifen des Netzhutes. Der Kursleiter öffnete dann ein Volk nach dem anderen und zeigte uns das Innenleben aus nächster Nähe: bestiftete Waben, Brutwaben, Futterwaben, Wildbau mit halb verdeckelter Drohnenbrut, ein paar erste Honigwaben und jede Menge Bienen, die alle ganz eifrig mit Summen beschäftigt waren.

Der Imker setzte Honigräume auf, zeigte uns wie man das Absperrgitter einlegt, damit die Königin nicht in den Honigraum kann und wollte eine Königin markieren, die er dann aber auch nicht gefunden hat. Diese läuft also weiterhin inkognito durch den Bienenstock.

In allervorderster Reihe standen heute ein paar Kids, die Nase quasi direkt im Flugloch, ohne Schutzanzug oder Imkerhut, echt mutig. Es wurde niemand gestochen, nicht einmal die strategisch so günstig positionierten Kindernasen.

Und dann haben wir noch erfahren, von wem wir demnächst  die Ableger-Völker bekommen werden, wir sind schon sehr gespannt.

 

 

Wo fliegen sie denn?

Die zweite Theoriestunde haben wir leider verpasst, weil wir dringend Urlaub machen mussten, dafür gab es heute die erste Annäherung an die Praxis.

Zuallererst wurde der Smoker angeworfen und ordentlich Qualm gemacht. Schon toll, was man mit etwas Eierschachtelresten und trockenem Gestrüpp so alles veranstalten kann! Rauchzeichen an die Bienen: WIR KOMMEN... Dann hob der Meister-Imker den Deckel eines Ableger-Volkes aus dem letzten Jahr und zeigte uns, wie das aussieht, wenn die Bienchen gut über den nicht stattfindenden Winter gekommen sind. Diese hatten schon angefangen zu brüten und ein paar flogen sogar draußen rum. Eine Wintertraube zur gegenseitigen Beheizung hatten die Bienen in diesem Jahr nicht gebildet, offensichtlich, weil die Temperaturen eher frühlingshaft anmuteten. Es herrschte gleichbleibend ruhige Geschäftigkeit im Bienenstock, alles verlief friedlich, keine Stiche.

Anschließend durften wir uns noch davon anschauen, wie das mit den Rähmchen und den Zargen funktioniert. Das Einziehen von Edelstahldraht in die Rähmchen sah sehr nach Daniel Düsentrieb aus. Doch das Einschmelzen von Mittelwänden aus Wachs in modifizierte Zander-Rähmchen mittels Trafo war weltbewegend einfach.

Unser erstes Mal

Als überzeugte Vegetarier in die Massentierhaltung einzusteigen ist an sich schon eine Herausforderung, doch wir haben einen Weg gefunden! Es kommt eben doch auf die Größe an.

Am 18.01.2014 fand die erste Theoriestunde unseres Imkerkurses statt. Der Kurs wird bis in den Herbst hinein dauern und uns Stück für Stück in die Kunst der Imkerei einführen. Da saßen wir nun dreieinhalb Stunden mit rund 20 anderen und hörten zuallererst, was das mit den Bienenstichen so auf sich hat. Da gab es Bilder von zugeschwollenen Gesichtern mit gigantisch aufgeblähten Lippen. Hm, ob wir uns das doch nochmal überlegen sollten? Wir haben uns entschieden: schlecht gespritzte Botox-Lippen sehen genauso aus, sind aber wesentlich teurer und nicht reversibel. Wir bleiben deshalb dabei und werden Imker!

Was Königinnen von Arbeiterinnen und Drohnen unterscheidet klang in der Theorie recht logisch, auch wenn wir uns das in der Praxis nochmal genauer anschauen müssen. Und dann gab’s da auch den Aufbau der Bienenkästen, alles schön quadratisch, praktisch, gut im modularen System zur bedarfsgerechten Erweiterung. Dass in so eine Kiste am Ende ca. 30.000 Bienchen passen sollen, ist für uns noch nicht wirklich nachvollziehbar, aber Nachzählen ist auch keine Option.

Wir bleiben gespannt…